
Release Friday
27.02.2026
Zurück zum Kern: Clueso zieht auf Deja Vu 1/2 den Stecker
VÖ: 27. Februar 2026 | Label: Epic / Sony Music
Es gibt Künstler, die verheddern sich irgendwann in ihrem eigenen Erfolg. Als Clueso 2021 sein (sehr pragmatisch betiteltes) Werk Album veröffentlichte, war das Pop in Perfektion – stromlinienförmig, playlist-kompatibel und randvoll mit Features. Fünf Jahre später zieht der Erfurter nun die Reißleine. Gestern ist mit Deja Vu 1/2 ein Album erschienen, das sich anfühlt wie eine musikalische Vollbremsung. Und genau das war dringend nötig.
Raus aus der Algorithmus-Falle, rein in den Keller
Der Legende nach fiel der Groschen bei einem Waldbühnen-Konzert im Sommer 2024. Statt dem nächsten Hit-Algorithmus hinterherzujagen, verschanzte sich Clueso mit Produzent Daniel Flamm in einem Hamburger Souterrain-Studio. Das erklärte Ziel: Pop-Musik wie Star Wars ohne CGI. Das Ergebnis hört man direkt beim Opener „Gib mir was Echtes“. Keine überproduzierten Synth-Teppiche, keine KI-geschönten Vocals. Stattdessen knarzt die Akustikgitarre und man hört das Atmen zwischen den Zeilen. Es ist roh, nahbar und unverschämt analog.
Liebeskummer und Lagerfeuer
Inhaltlich liefert Clueso genau das, wofür ihn seine Die-Hard-Fans seit 20 Jahren lieben: Den perfekten Soundtrack für den Moment, wenn die Party vorbei ist und man allein an der Haltestelle steht. Der Titeltrack „Deja Vu“ klingt wie ein Update des alten Clueso – nostalgisch, aber nicht hängengeblieben.
Auf Tracks wie „Minimum“ und „Freier Fall“ balanciert er wieder gefährlich nah am Rand des Deutschpoeten-Kitschs, schafft es aber (meistens), nicht in die Tiefe zu stürzen. Die Songs brauchen keine doppelten Böden mehr. Wenn er auf „Jedes Jahr“ über das obligatorische Feiertagstreffen mit der alten Clique singt, ist das einfach ehrliches Storytelling ohne aufgesetzte Coolness.
Die halbe Miete
Dass Deja Vu 1/2, wie der Name unschwer erkennen lässt, nur der erste Teil eines Doppelalbums ist, ist in der heutigen Fast-Food-Streaming-Ära ein massives Statement. 14 Tracks, die Raum brauchen und nicht nach 15 Sekunden zum nächsten TikTok-Trend springen wollen. Es wird spannend zu sehen, ob Teil 2 den Mut zur akustischen Lücke beibehält oder ob dort wieder die großen Radio-Hymnen warten.
Fazit
Deja Vu 1/2 ist vielleicht nicht das innovativste Album des Jahres, aber es ist das wichtigste Clueso-Album seit langem. Es beweist, dass man auch nach Millionen verkaufter Platten noch den Weg zurück zum analogen Kern seiner Kunst finden kann. Ein Album für die Kopfhörer, nicht für die Stadion-PA.
Anspieltipps: Gib mir was Echtes, Deja Vu, Minimum
Live 2026: Die DEJA-VU Tour
Passend zum Release geht es für Clueso schon in wenigen Wochen auf große Tour. Wer wissen will, wie die intimen neuen Songs – und natürlich die großen Hits wie „Flugmodus“ oder „Chicago“ – live klingen, hat 2026 reichlich Gelegenheit dazu. Nach der großen Hallen-Tour im März folgt eine ausgedehnte Open-Air-Sommerrunde (inklusive dem obligatorischen Heimspiel auf dem Erfurter Domplatz!).
Arena-Tour (Frühjahr 2026)
- 14.03.2026 – Bamberg, Brose Arena | Tickets sichern
- 16.03.2026 – Stuttgart, Porsche-Arena | Tickets sichern
- 17.03.2026 – Münster, Messe+Congress Centrum | Tickets sichern
- 19.03.2026 – Hamburg, Barclays Arena | Tickets sichern
- 20.03.2026 – Hannover, ZAG Arena | Tickets sichern
- 21.03.2026 – Berlin, Uber Arena | Tickets sichern
- 23.03.2026 – Frankfurt, Festhalle | Tickets sichern
- 24.03.2026 – München, Olympiahalle | Tickets sichern
- 26.03.2026 – Köln, LANXESS arena | Tickets sichern
- 27.03.2026 – Leipzig, QUARTERBACK Immobilien ARENA | Tickets sichern
Sommer Open Airs 2026 (Auswahl)
- 05.06.2026 – Wien (AT), Arena Open Air | Tickets sichern
- 11.06.2026 – Freiburg, Münsterplatz Konzerte | Tickets sichern
- 13.06.2026 – Meersburg, Schlossplatz | Tickets sichern
- 04.07.2026 – Erfurt, Domplatz | Tickets sichern
- 07.08.2026 – Borkum, Beach Days | Tickets sichern
- 22.08.2026 – Dresden, Filmnächte am Elbufer | Tickets sichern
Ein musikalisches Gipfeltreffen mit Geistern: Gorillaz – The Mountain
VÖ: 27. Februar 2026 | Label: KONG
Wenn eine virtuelle Band ihr 25-jähriges Jubiläum feiert, könnte man erwarten, dass die Luft langsam raus ist. Nicht so bei Damon Albarn und Jamie Hewlett. Mit The Mountain (auf dem Cover passend als पर्वत in Devanagari stilisiert) liefern die Gorillaz ihr neuntes Studioalbum ab – und ganz nebenbei ihr bestes seit Plastic Beach. Es ist das erste Release auf ihrem komplett eigenen Label KONG nach dem Weggang von Warner, und diese neue Unabhängigkeit hört man jeder Sekunde dieses massiven, 15 Tracks starken Epos an.
Der Sound: Zwischen Sitar und Acid House
Aufgenommen in Studios von London bis Neu-Delhi und Rajasthan, atmet das Album eine globale Weite. Albarn verwebt indische Klassik-Instrumente wie Sitar, Tambura und Bansuri völlig organisch mit dem typischen Gorillaz-Synth-Pop. Auf „The Plastic Guru“ duelliert sich eine Sitar mit der Gitarre von Legende Johnny Marr, während „Damascus“ (feat. Omar Souleyman und Yasiin Bey) uns geradewegs in einen treibenden Arabic-Acid-House-Rave wirft. Es ist musikalisch völlig drüber, aber im Gegensatz zu manch anderem Gorillaz-Album zerfällt The Mountain nicht in eine wilde Playlist, sondern bleibt von vorne bis hinten kohärent.
Die Gäste: Ein Séancetisch der Legenden
Die Gästelisten der Gorillaz waren schon immer absurd, aber dieses Mal grenzt es an eine musikalische Séance. Albarn hat alte Aufnahmen von verstorbenen Freunden und Weggefährten wie Bobby Womack, Mark E. Smith, Tony Allen, Dennis Hopper und De La Souls Dave Jolicoeur ausgegraben. Wenn Mark E. Smith sich rotzig durch den Refrain von „Delirium“ schnarrt oder Proofs (D12) Stimme auf „The Manifesto“ aus den Boxen knallt, klingt das nicht nach billiger Leichenfledderei, sondern mächtig und lebendig.
Dazu gesellen sich lebende Kontraste: Sparks auf der herrlich zynischen Pop-Perle „The Happy Dictator“, Produzenten-Schwergewicht Bizarrap auf „Orange County“ und ein wunderbar düsterer Joe Talbot (IDLES), der auf „The God of Lying“ über einen chaotischen Lo-Fi-Reggae-Beat rumpelt.
Melancholie auf dem Dancefloor
Hinter der bunten, weltumspannenden Fassade verbirgt sich jedoch tiefe Trauer. Inspiriert vom kürzlichen Tod der Väter von Albarn und Hewlett, ist The Mountain ein Album über Verlust, Vermächtnis und das Abschiednehmen – das aber seltsamerweise oft unfassbar euphorisch klingt. Auf „Orange County“ singt Albarn herzzerreißend „The hardest thing is to say goodbye to someone you love“, während darunter ein schon fast unverschämt fröhlicher Beat pocht. Es ist dieser klassische Gorillaz-Kontrast: Weinen auf dem Dancefloor.
Fazit
The Mountain ist kein Album für den kurzen TikTok-Snack. Es ist ein dichtes, ambitioniertes Werk, das den Tod akzeptiert und das Leben stattdessen mit einer riesigen, globalen Blockparty feiert. Wer dachte, das Konzept der virtuellen Affen hätte sich totgelaufen, wird hier eines Besseren belehrt.
Anspieltipps: The Happy Dictator, Orange County, The God of Lying

