
Fred Again
Ally Pally
Drei Generationen UK-Rave: Fred again.. reißt das Ally Pally ab – mit Underworld und The Streets
Datum: Februar 2026 | Ort: Alexandra Palace, London
Es gibt diese Nächte, bei denen man schon währenddessen weiß: Das hier landet in den Geschichtsbüchern der elektronischen Musik. Im Rahmen seiner „USB002“-Tour hat Fred again.. für eine viertägige Residency den legendären Alexandra Palace (liebevoll „Ally Pally“ genannt) übernommen. Was als intimer Mega-Rave begann, endete in einem surrealen Gipfeltreffen dreier Generationen britischer Clubkultur. Wer hier keine Gänsehaut hatte, sollte seinen Puls checken lassen.
Ein „unendliches Album“ in einer endlosen Welt
Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der fast alles auf Endlosigkeit getrimmt ist. Der Instagram-Feed scrollt ins Nirgendwo, TikTok-Streams laufen wie am Fließband weiter, bis einem die Augen zufallen, und kuratierte Playlists aktualisieren sich im Hintergrund, bis alles wie ein einziger algorithmischer Brei klingt. Aber um die Energie dieses Abends zu verstehen, muss man sich ansehen, wie Fred again.. diesen Trend für sein „USB“-Projekt nutzt – und ihm stattdessen eine echte Seele einhaucht.
Er nennt USB ein „unendliches Album“ (infinite album). Doch statt ermüdendem Content-Spam ist es eine stetig wachsende, atmende Sammlung seiner härtesten Club-Tracks. Was im Januar 2022 als rein digitale Compilation begann und im Juni 2024 mit „USB001“ erstmals als physisches Monument auf Vinyl gepresst wurde, hat Ende letzten Jahres (Dezember 2025) mit „USB002“ sein bisher massivstes Update bekommen. Genau dieses organische Update treibt die aktuelle Tour an, und das Ally Pally durfte den rohen, ungefilterten Wahnsinn dieses Soundtracks hautnah spüren.
Der Aufbau: Maschine, Schweiß und Emotionen
Fred again.. ist längst nicht mehr nur der Produzent hinter den Kulissen, er ist der emotionale Anker einer ganzen Generation. Mit seinem bewährten Setup aus CDJs und der Native Instruments Maschine verwandelte er die riesige Londoner Halle in ein verschwitztes Wohnzimmer. Tracks wie „Turn On The Lights again..“ und „Victory Lap“ brachten die Menge sofort auf Betriebstemperatur. Unterstützung gab es früh im Set von seinen Buddies von Joy Anonymous, die den Vibe direkt auf das nächste Level hoben. Alles war roh, spontan und zu 100 % live gechoppt.
Romy und die kollektive Katharsis
Bevor der Wahnsinn komplett eskalierte, gab es einen dieser typischen Fred-again..-Momente der Verletzlichkeit. The xx-Sängerin Romy betrat die Bühne, um gemeinsam mit ihm die Hymne „Strong“ zu performen. Fred bezeichnete sie liebevoll als seinen „Rave Angel“ – und genau das war es. Ein Moment der kollektiven Umarmung, untermalt von Freds Ansage an die Crowd: „Behaltet dieses Gefühl der Dankbarkeit, das ihr gerade habt. Das Gefühl der Inklusivität, der Sicherheit und der Zugehörigkeit. Verliert dieses Gefühl nicht.“
Der absolute Meltdown: The Streets & Underworld
Wer dachte, das wäre der emotionale und musikalische Höhepunkt gewesen, wurde wenig später komplett überrollt. Plötzlich stand Mike Skinner (The Streets) auf der Bühne und die Halle bebte. Die raue Poesie von The Streets traf auf Freds pumpende Beats – ein Match made in UK-Heaven.
Doch der eigentliche Knockout kam, als die Rave-Titanen schlechthin das Zepter übernahmen: Underworld. Als die unverkennbaren ersten Chords von „Born Slippy (Nuxx)“ durch die Halle peitschten, gab es kein Halten mehr. Fred selbst stand mit einem Grinsen von einem Ohr zum anderen hinter den Decks und sah aus wie ein Fanboy, der gerade seinen größten Traum lebt. Mit „Two Months Off“ und der ekstatischen Zeile „You bring light in“ schloss sich der Kreis perfekt.
Fazit
Ist Fred again.. der wichtigste elektronische Künstler unserer Zeit? Nächte wie diese lassen kaum einen anderen Schluss zu. Er baut Brücken zwischen den verschwitzten 90er-Warehouse-Raves, dem 2000er Garage-Sound und der endlos scrollenden TikTok-Generation, ohne dabei jemals aufgesetzt zu wirken. Das Ally Pally hat schon viel gesehen, aber diese B2B-Kombination war reine Magie – ein würdiger Meilenstein für die Geschichte des USB-Projekts.
Fotocredit: Theo Batterham

