
Danger Dan: „Keine Angst“ – das Klavieralbum gegen die Ohnmacht
Fünf Jahre nach „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ ist Danger Dan zurück am Klavier. Sein neues Album „Keine Angst“ erscheint am 2. Oktober 2026. Es ist politisch, persönlich und bewusst reduziert. Außerdem kommt es mit reichlich Vorgeschichte – denn der Titelsong sorgte schon im Sommer für einen handfesten Streit mit dem ZDF.
Das dritte Soloalbum – und das zweite am Klavier
„Keine Angst“ ist Danger Dans drittes reguläres Solo-Studioalbum. Zuvor erschienen „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“ (2018) und „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ (2021). Letzteres wurde zum großen Durchbruch und landete schließlich auf Platz eins der deutschen Charts. Damit ist die neue Platte zugleich sein zweites Album, bei dem das Klavier im Mittelpunkt steht.
Dabei bleibt Daniel Pongratz, so sein bürgerlicher Name, natürlich Teil der Antilopen Gang. Das Soloprojekt läuft parallel zur Band mit Koljah und Panik Panzer. Veröffentlicht wird das Album über das Label Ölsardinenindustrie, im Vertrieb von Warner Music.
Aufgenommen zu Hause – mit dem Bruder
Auch die Entstehung ist bewusst unspektakulär. Danger Dan nahm das Album gemeinsam mit seinem Bruder Panik Panzer bei sich zu Hause auf. „Die ersten Skizzen habe ich im Sitzen aufgenommen“, sagt er selbst. Den Mix übernahm Philipp Schwär. Zusätzlich wurde ein Streichquartett in Zürich aufgenommen. Große Orchesterarrangements gibt es dagegen nicht.
Stattdessen tragen Stimme und Klavier fast alles. Die Streicher setzen nur gelegentlich Akzente. Somit bleibt der Fokus dort, wo er bei Danger Dan immer liegt: auf den Texten.
Zwischen Rechtsruck und Privatleben
Inhaltlich beschreibt das Label das Album als Debattenbeitrag zur Lage der Nation. Gleichzeitig ist es eine Auseinandersetzung mit der Welt, der Angst und mit ihm selbst. Danger Dan versteht „Keine Angst“ vor allem als Anleitung für den Umgang mit Angst – nicht als Lähmung, sondern als Ausgangspunkt.
Politisch geht es um Rechtsextremismus, Antisemitismus und antifaschistischen Widerstand. Doch das Album ist kein reines Polit-Manifest. Denn daneben stehen Lieder über Liebe, Freundschaft und Krankheit, aber auch über Kneipenabende. Laut Kulturnews spricht Danger Dan zudem über Erblindung und sein Coming-out. Viele Songs erzählen also von sehr persönlichen Erlebnissen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei „Nie zur Ruh“. Der Song verhandelt einen Pakt mit dem Teufel und wirkt wie ein thematisches Intro zum Titelsong. Seine Botschaft: Nur wer das Schlechte zulässt, kann auch das Gute wirklich fühlen.
Die ZDF-Kontroverse um den Titelsong
Bekannt wurde „Keine Angst“ allerdings schon vorher – und zwar durch einen Eklat. Danger Dan und Pianist Igor Levit sollten den Titelsong in der 100. Ausgabe der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ spielen. Doch der Auftritt wurde kurzfristig abgesagt.
Das ZDF begründete die Entscheidung später so: Der Song könne als Aufruf zu organisiertem, gewaltbereitem linkem Widerstand verstanden werden. Intendant Norbert Himmler verteidigte diese Bewertung, räumte aber Kritik am späten Zeitpunkt ein. Danger Dan und Levit sahen darin hingegen einen Eingriff in die Kunstfreiheit. Außerdem distanzierte sich auch die Redaktion der „Anstalt“ öffentlich von der Intendanz.
Danger Dan stellte anschließend klar, dass er Gewalt ablehnt. Antifaschistischen Selbstschutz halte er angesichts politischer Gewalt aber für notwendig. Das Musikvideo zum Song erreichte nach Veröffentlichung Platz eins der deutschen YouTube-Musiktrends.
Tracklist von „Keine Angst“
- Die meisten meiner Freunde
- Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen
- Dass es hier so schön ist
- Zum Späti
- Warum es nicht geklappt hat
- In der Roten Rose
- Für immer
- Der Versicherungsvertreter lebe hoch
- Jede Grenze, jedes Gesetz, jeder Gott
- Nie zur Ruh
- Keine Angst
- Aber dann
„Keine Angst Tour“ startet im Oktober
Nur wenige Wochen nach dem Release geht Danger Dan auf Tour. Los geht es am 22. Oktober im Schlachthof Wiesbaden. Danach folgen unter anderem Stuttgart, Düsseldorf, Bremen und zwei Abende im Berliner Tempodrom. Im Dezember spielt er zweimal in Köln sowie in München und Wien. Zahlreiche Termine sind bereits ausverkauft. Tickets gibt es ab rund 63 Euro bei Eventim sowie im offiziellen Shop von Danger Dan. Für 2027 sind außerdem Open-Air-Konzerte angekündigt.
- 22.10.2026 – Wiesbaden, Schlachthof (ausverkauft)
- 23.10.2026 – Wiesbaden, Schlachthof
- 26.10.2026 – Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
- 27.10.2026 – Stuttgart, Wagenhallen
- 30.10.2026 – Düsseldorf, Stahlwerk
- 31.10.2026 – Bremen, Pier 2
- 01.11.2026 – Bielefeld, Stadthalle
- 06.11.2026 – Berlin, Tempodrom
- 07.11.2026 – Berlin, Tempodrom (ausverkauft)
- 27.11.2026 – Leipzig, Haus Auensee
- 28.11.2026 – Hamburg, Inselpark Arena
- 29.11.2026 – Hamburg, Inselpark Arena (Zusatzshow)
- 17.12.2026 – Köln, Palladium
- 18.12.2026 – Köln, Palladium
- 19.12.2026 – München, Zenith
- 20.12.2026 – Wien, Gasometer
Tickets: Alle Termine bei Eventim
Fazit
„Keine Angst“ ist kein Album für nebenbei. Vielmehr ist es reduziert, konfrontativ und oft sehr privat. Wer schon „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ mochte, findet hier die konsequente Fortsetzung. Und wer politische Musik lieber subtil mag, wird sich wohl auch diesmal reiben. Genau das dürfte allerdings Danger Dans Absicht sein.

