
OK KID – Komm, wir bleiben stehen
Epic / OK KID — 22. Mai 2026
Manche Pausen klären den Kopf. Manche klären die Haltung. Bei OK KID war es offenbar beides.
Nach zwei Jahren Stille — kein Release, kein Content, kein Zeichen — kommen Jonas Schubert, Raffael Kühle und Moritz Rech zurück und bringen ein Album mit, das klingt, als hätten sie genau diese Zeit gebraucht. Nicht um sich neu zu erfinden. Sondern um sich zu erinnern, warum sie überhaupt Musik machen.
Komm, wir bleiben stehen beginnt, wo andere aufgehört hätten: mit „Hoffnung stirbt“ — in drei Akten, als wäre Hoffnung etwas, das man dreimal begraben und dreimal wieder ausgraben muss, bevor man ihm vertraut. Das ist kein Zufall. Das ist Dramaturgie. Und es funktioniert.
Was dann folgt, ist das politischste, wütendste und gleichzeitig zugänglichste Album der Bandgeschichte. „Wie ein echter Mann“ seziert toxische Männlichkeit mit chirurgischer Präzision und ohne erhobenen Zeigefinger — das ist schwieriger als es klingt. „50823″, benannt nach der Postleitzahl von Köln-Ehrenfeld, schreibt Kiez-Alltag und Kriegsberichte in denselben Satz. Der Kontrast brennt sich fest.
Und dann ist da „Farbfilm“ — irgendwo zwischen Arcade Fire und M83, tanzbar, hoffnungsvoll, treibend. Der Track, der beweist, dass politische Musik keine Strafe sein muss. Dass man tanzen und trotzdem Haltung haben kann.
Der bandeigene Mix aus hybriden Garage-Drums, Shoegaze-Gitarren, Jungle-Anleihen und ausgetüftelten Sample-Chops wurde gekonnt upgedated — aber das Fundament ist dasselbe, das OK KID seit 2013 trägt. Nur fühlt es sich hier gefestigter an. Erwachsener, ohne langweilig zu werden.
33 Minuten. 13 Tracks. Kein Füller, kein leeres Pathos. Für eine Band, die sich zwei Jahre Zeit gelassen hat, ist das bemerkenswert knapp — und genau richtig.
Highlights: „Hoffnung stirbt 1–3″, „Rave On“, „Farbfilm“, „50823″

