
„We’re a new group“: Triumph und Tränen bei De La Soul am Tiny Desk
Datum: 3. März 2026 | Ort: NPR Tiny Desk, Washington D.C.
Es gibt Auftritte, die sind pure Promo. Und es gibt Auftritte, die sind lebendige Musikgeschichte. Als De La Soul am 3. März – dem offiziellen De La Soul Day – ihr lang erwartetes Debüt am winzigen Schreibtisch von NPR feierten, war es definitiv Letzteres. Es war ein intimes Set, das genau auf dem schmalen Grat zwischen tiefer Trauer, unbändiger Lebensfreude und der Feier von fast vier Jahrzehnten Hip-Hop-Kultur balancierte.
Die schmerzhafte Lücke am Schreibtisch
„Ladies and gentlemen, we’re a new group called De La Soul“, scherzte DJ Maseo zur Begrüßung hinter seinen Turntables. Ein typischer Maseo-Witz, der aber eine verdammt bittere Wahrheit in sich trug. Es war die Standortbestimmung nach dem tragischen Verlust von David Jolicoeur (Trugoy the Dove / Plug Two) im Jahr 2023. Dave starb ausgerechnet wenige Wochen, bevor die Diskografie der Band nach einem endlosen Rechtsstreit endlich auf den Streaming-Plattformen landete. Sein Platz am Desk blieb physisch leer, markiert durch ein simples Namensschild mit der Aufschrift „Dave“. Doch spirituell war er in jeder Silbe präsent. „Dave, ya here always“, stellte Posdnuos (Pos) gleich zu Beginn klar, bevor es losging.
Organischer Sound für die Ewigkeit
Musikalisch war dieses Set ein absoluter Traum. Mit einer neunköpfigen Band, die von Drummer-Legende Daru Jones geleitet wurde, bekamen die Tracks eine warme, organische Tiefe. Die Kombination aus Keys, Viola und messerscharfen Bläsern (Saxofon und Trompete) passte perfekt in den holzgetäfelten NPR-Raum. Pos bewies einmal mehr, warum er einer der präzisesten und wortgewandtesten MCs aller Zeiten ist, während Maseo den Vibe zusammenhielt.
Die Setlist lieferte die perfekte Balance. Die „Plugs“ starteten mit Tracks von ihrem grandiosen 2025er Album Cabin in the Sky. Songs wie „YUHDONTSTOP“ und „Will Be“ machten deutlich: Diese Crew klammert sich nicht nur an die Vergangenheit, sie ist kreativ extrem lebendig.
Gänsehaut-Finale
Doch als es an die Klassiker ging, brach der Damm. „Stakes is High“ und „Breakadawn“ wurden mit einer Wucht und Klarheit gespielt, die den kleinen Raum völlig ausfüllte. Den emotionalen Höhepunkt und Abschluss bildete natürlich die Über-Hymne „Me Myself and I“. Es war ein Moment der kollektiven Katharsis – ein Lachen durch Tränen hindurch, getragen von den großartigen Background-Vocals von Yummy Bingham und Gina Loring.
Fazit
De La Soul haben am Tiny Desk bewiesen, wie man ein monumentales Vermächtnis in Würde weiterträgt. Sie ehren ihren gefallenen Bruder, ohne sich in der Trauer zu verlieren, und richten den Blick mutig nach vorne. Ein wunderschönes, feinfühliges und extrem groovendes Konzert. Pflichtprogramm für jeden, der Hip-Hop liebt.
Highlight: Der Moment, als die Bläser bei „Stakes is High“ den Beat übernehmen.
Foto: NPR Music

