
„Insane in the Brain“: Warum die Cypress-Hill-Doku absolute Pflicht für Hip-Hop-Fans ist
Regie: Estevan Oriol | Release: 2022 (Aktuell im Free-Streaming)
Wenn man an Cypress Hill denkt, hat man oft direkt das Klischee im Kopf: Kiffende Typen, die „Hits from the Bong“ ins Mikrofon rappen. Aber wer die Gruppe darauf reduziert, hat Hip-Hop-Geschichte nicht verstanden. Die Dokumentation Insane in the Brain räumt genau mit diesem Vorurteil auf.
Mehr als nur Rauch und Nebel
Auch wenn die Doku offiziell schon ein paar Jahre alt ist, ist sie durch den aktuellen, breiten Streaming-Drop wieder in aller Munde – und das völlig zu Recht. Regisseur und Star-Fotograf Estevan Oriol, der jahrelang mit der Crew abhing, hat sein unfassbares Privatarchiv geöffnet. Wir sehen nicht nur den Aufstieg der Band, sondern die harte Realität dahinter: B-Real, der auf den Straßen von L.A. fast sein Leben verlor, und Sen Dog, der als Kind aus Kuba floh. Das hier ist die Geschichte von Außenseitern, die aus dem Nichts einen komplett neuen, bilingualen Rap-Sound erschufen.
Punkrock-Attitüde und der geniale DJ Muggs
Was die Doku grandios herausarbeitet, ist die unglaubliche Live-Energie der Band. Cypress Hill waren im Prinzip die erste Hip-Hop-Crew, die sich benahm wie eine durchgedrehte Punkband. Sie stürzten sich in Moshpits, ließen sich von Black Sabbath und Pink Floyd inspirieren und rissen die Bühnen gemeinsam mit Grunge-Bands ab. Und über allem thront DJ Muggs, das absolute Mastermind an den Reglern. Die Doku zeigt im Detail, wie er diesen staubigen, psychedelischen und extrem düsteren Sound bastelte, der bis heute von niemandem erreicht wurde.
Der Kampf für die Legalisierung
Natürlich kommt das Thema Weed nicht zu kurz. Aber statt es nur abzufeiern, zeigt Insane in the Brain, wie Cypress Hill das Thema in einer Zeit enttabuisierten, als Radio-Banns an der Tagesordnung waren. Sie machten sich zur Zielscheibe der Behörden (und wurden sogar im TV zensiert), um den Weg für eine ganze Industrie freizuboxen.
Fazit
Insane in the Brain ist keine glattgebügelte Promo-Doku von der Stange. Es ist ein rauer, ehrlicher und extrem visuell faszinierender Liebesbrief an eine der einflussreichsten Rap-Gruppen aller Zeiten. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte das sofort nachholen.
Highlight: Die völlig absurden Tour-Aufnahmen aus den frühen 90ern.
Foto: NPR Music

